Herr der Dinge!

Menschen sind doch Sammler und Jäger. Wir jagen nach Erinnerungen, Kuriositäten und Schnäppchen, bringen sie wie Beute nach Hause, präferieren sie und stellen sie zur Schau. Einerseits um uns daran zu ergötzen, um die Jagd immer wieder in Erinnerung zu rufen, zum anderen um sie zu feiern. Lob von anderen zu empfangen, Zuspruch zum Fang. Lieben wir es nicht alle, Dinge zu besitzen? Aber woher kommt das? Und sind das wirklich nur Instinkte?

  • Auf dem europäischen Kontinent leben viele ethnische Gruppen dicht nebeneinander. Über Jahrtausende haben sich all diese Menschen vernetzt und ausgetauscht. Dabei haben Handel und Wissenschaft viele Innovationen in der Geschichte verankert. Einsichtig über diese Vorteile, hat man ausgebaut, Straßen gelegt, Handelsrouten erweitert und Wissenszentren gebildet. Knowhow- und Gütertransfer haben nicht nur unsere Leben angereichert, sie haben die gesamte Welt verändert. Bis heute sind Geld und Wissen, Symbole der Macht. Doch in welcher Ordnung und muss diese Ordnung weiter bestehen?

  • Schon früh konnten sich Handelsmänner so großen Reichtum aneignen, dass gesamte Königreiche sie in Notzeiten um Geld anpumpen kamen. Könige standen wie Bettler vor Händlern. Die Weltordnung kam ins Schwanken, die Machtverhältnisse wurden schrittweise umgewichtet. Reichtum wurde zum Konkurrenten der weltlichen sowie geistlichen Regentschaft, oft auch zu deren Anführer. Der Hunger nach Macht ist so alt wie die Geschichte selbst, nicht von ungefähr stellte die Familie Medici in Italien so viele Päpste. Somit lag die geistliche Führung in der Hand des Geldes. Man darf nicht vergessen, dass Klöster bis vor Kurzem die wichtigsten Einrichtungen zur Bildung waren. Und weil die Forschung, Zeit und Geld auch schon damals brauchten, war die Macht durch Wissen auch in der Hand des Reichtums. Somit wurde ein Ranking der Machtverhältnisse etabliert. Geld scheint fast alle Mächte dieser Welt zu schlagen.

  • Auch heute ist es Konvention, sich über Eigentum im sozialen Schichten zu demonstrieren. Sehen und gesehen werden, spielen dabei eine wichtige Rolle. Wir ziehen uns Symbole zum Ausdruck an, kutschieren die Gäste in schicken Schlitten und beeindrucken mit Hab und Gut. Unsere Kuriositäten Sammlungen, sind nicht nur Statussymbole und Erinnerungen, sondern auch Ausdrucke unserer geistigen Zusammensetzung. Mitbringsel von weit her sind Zeichen dafür in der Welt herumzukommen, Bücher für Bildung und Deko für Geschmack. Weit reisen war lange nur Mönchen, Adeligen und Reichen vorbehalten. Wer konnte es sich schon leisten, für 2 Monate abzuhauen, wenn die Ernte ansteht? Denn man reiste ja zu Pferd oder zu Schiff. Vor allem es kostete auch viel mehr, Souvenirs waren nicht drin. 

  • In der letzten Geschichte, nach dem Zweiten Weltkrieg, war viel Hab und Gut zerstört. Die Werkzeuge des Kriegs waren so weit perfektioniert, dass nur noch Totalschäden übrig blieben. Vielerorts war Besitz verschwunden, die Menschen mussten von neu aufbauen. Tatsächlich, auch nach den Wiederaufbaujahren hat man aus Kriegsangst seinen Besitz doch recht überschaubar gehalten. Zwei Kriege hintereinander können ganz schön verängstigen, man war nicht gewillt mit Geld zu schmeißen.

  • Doch dann kam der Wirtschaftsboom. Plötzlich stellte sich der Weltmarkt um und es gab viel mehr Güter und Dienstleistungen, das Leben verdichtete und entwickelte sich rasant. Man konnte viel mehr Waren zu immer günstigeren Preisen aus aller Welt beziehen. So konnte die Quantität der Gegenstände wieder schnell aufgestockt und dabei die Existenzgrundlage trotzdem ausgebaut werden. Der Kauf wurde durch Neue Medien besser vermittelt und schmackhaft gemacht. Heutzutage können wir direkt vom Smartphone in sozialen Medien beim Klick im Feed bequem nach Hause bestellen und dabei bargeldlos bezahlen. 

  • Wir leben im totalen Überfluss, 10.000 Dinge, sagt die Statistik, habe der Durchschnittseuropäer in seinem Besitz heute. Die Essenslieferung kommt in 30 Minuten, das Paket innerhalb von 2 Wochen und was drin ist, weiß nicht mal der Besteller selbst. Alles kann man zu jeder Zeit kaufen und es ist so billig wie noch nie. Getrieben von der Werbemaschinerie des Handels sind wir ständig angeleitet mehr zu kaufen und tun das auch letztendlich. Gerade im Modesektor mit der 4 Jahreskollektionen ist der Verbrauch von Gütern so rapide und so sichtbar wie kaum wo sonst. Kaum sind die Dinge in, schon sind sie out und die Reparatur oft teurer als der Neukauf. Wie sind wir hier gelandet und vor allem wie kommt man da wieder raus?

  • Die Zeit ist im Wandel, durch die Globalisierung und Digitalisierung sind die Grenzen zu anderen Welten näher gerückt und wir können mittels Internet sogar von der Couch über sie schauen. Wir bemerken, dass nicht überall auf der Welt, die gleichen Normative, gelten. In manchen Kulturkreisen ist genau das Gegenteil der Fall, less is more. Das Eigentum in buddhistisch geprägten Ländern hat einen anderen Stellenwert. Nicht die Quantität, sondern die Qualität der Dinge macht den Gegenstand zu etwas Wertvollem. Dabei ist nicht nur die äußerliche Qualität, sondern auch die emotionale, subjektive Wertung von Bedeutung. Vielmehr sogar ist ein Verständnis über das Leben in den Dingen, eine Beseeltheit der Gegenstände verbreitet. 

  • Hierzulande ist es neu. Einerseits ist der Animismus in unseren Staatsreligionen fremd, andererseits weil wir zu lange Dinge als Werkzeuge zum sozialen Aufstieg verwendet haben, um sie anders zu betrachten. Und genau hier gilt es, seinen Blick öffnen und schärfen. Denn wenn man die Verwendung der Dinge umstellt, dann stellen sich auch die Dinge damit um. 

    Die Besitzesslust in sich bändigen und auf das wesentliche umfokussieren. Manche Gegenstände, sei es Kleidung, Bücher oder Deko, bringen nach einiger Zeit, nicht mehr dieselbe Freude. Ob sie aus der Mode sind oder weil wir körperlich wie emotional rausgewachsen sind? In beiden Fällen ist Abschied Teil des Lebens, einige dieser Dinge gilt es gehen zu lassen. Platz für Neues machen oder gar Leerflächen in seinem Leben freizuräumen.

  • Wenn wir in unseren Sachen untergehen, dann bleibt die Lebensqualität auf der Strecke. Wenn wir Objekte in unsere Häuser tragen, dann nehmen sie einen Platz und unsere Aufmerksamkeit ein. Wir schreiben ihnen eine Funktion zu und befassen uns täglich mit ihnen, ob bewusst oder nicht. Also wählt die Dinge, mit denen ihr euch befassen wollt, um ein glücklicheres und leichteres Leben zu führen. 

    Denkt darüber nach, was man wirklich braucht für sein Glück und wie viel davon. Dementsprechend, holt euch nur Dinge ins Haus, die über lange Zeit den Freudepegel halten können und euch dienen. Werdet Herr über eure eigenen Dinge!


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