Mit sich selbst im Reinen!

Wer kann schon wirklich sagen, dass man mit sich selbst im reinen ist, so richtig Blitz blank? Die Selbstzufriedenheit ist oft der Teufel im Detail, wenn es um das gesamte Wohlbefinden geht. Dabei, wenn man sich mit anderen misst, dann geht es einem vergleichbar gut. Warum sind wir dann nicht zufrieden? Und warum vor allem mit uns selbst nicht?

  • In den meisten deutschsprachigen Ländern haben wir ein hohes Maß an Sicherheit und Sozialleistungen, keiner hungert und die Lebensqualität ist sehr hoch. Unsere Grundbedürfnisse sind mehrheitlich durch das Staatssystem vorweg gedeckelt. Wenn man nach Bangladesch schaut, wo das Mindestalter für Vollzeitarbeit bei 14 Jahren liegt und die Kinder im 12 Stunden Arbeitstag für Hungerlohn unsere Konsumgüter fertigen, dann erschrickt man zwar, aber ist gleichzeitig dankbar, dass solche Umstände in unseren Weiten, weit zurückliegen. Warum erfreuen wir uns nicht am Status Quo? Warum denken wir, dass es uns schlecht geht? Wenn es nicht die äußeren Umstände sind, welche sind es dann?

  • Die allgemeine Zufriedenheit setzt sich aus beiden Faktoren zusammen, der Bewertung von äußeren Einflüssen und dem inneren Erleben. Wir leben referentiell zu unserer Umgebung und Erfahrung, alle Ereignisse in unserem Leben hinterlassen eine Spur. Obwohl alles in einem Körper zusammenfließt, wird alles separat empfunden und hat einen eigenen Stellenwert, eine Funktion. In welcher Proportion die Einflüsse und die Erlebnisse zueinander stehen, machen wir für uns selbst aus. Wenn wir auf der einen Seite ein gutes Einkommen, Status und Einfluss haben, können wir uns trotzdem allein, gestresst und unzufrieden fühlen. Wieso gleicht das Übergewicht auf der einen Seite den Mangel auf der anderen nicht aus?

  • Wenn man sich das wie ein Organismus vorstellt, dann können bei Herzstillstand die anderen Organe den Körper auch nicht am Leben erhalten. Zum einen liegt es daran, dass verschiedene Bedürfnisse, individuellen Wert für uns haben, zum anderen hat es viel mit dem ständig aktiven Prozess der Wahrnehmung und der Bewertung zu tun. Von klein auf werden uns Handlungsmuster antrainiert und es wird ihnen ein Wert zugeschrieben. Die guten Noten machen uns zum braven Kind, der selbst gepflückte Blumenstrauß bringt ein Küsschen, die Entscheidung, den Lebensweg einzuschlagen, den sich die Familie für uns vorstellt, Lob, Anerkennung und Unterstützung. Es ist so, als ob wir uns Liebe verdienen müssen, wir von außen Vorgaben bekommen, die zu erreichen gelten. Diese Bewertung der Erreichung der Zielsetzung wird zum ständigen Begleiter. 

  • Unsere Glückserlebnisse sind stark von den Anderen getragen. Zuerst kommt die Kindheit, wo wir hauptsächlich von Eltern, Schulkollegen und Lehrern geleitet werden. Dann kommt das Leben nach der Schule, die stürmischen Jahre der Selbstfindung. Man sucht nach Antworten, fragt sich, wer man ist und nach dem richtigen Weg. Trifft neue Menschen, lernt viel dazu und sammelt Erfahrungen. Der Weg ändert sich oft und wird zur Reise, dem Prozess des Werdens mit vielen Zwischenstopps. Man ist im Leben angekommen, im ständigen Wechsel. Irgendwann bemerkt man, dass die von Kindheit antrainierte Handlungsmuster nicht das gewünschte Resultat bringen. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft wird nicht vergütet und der Einsatz im Job bringt oft nicht die Beförderung. Wie beweist man sich also, damit die anderer zufrieden sind? Ist es wirklich nur Anerkennung, Geld und Einfluss? Und geht es überhaupt um die anderen?

  • Die Mittel zur Schaustellung seines Selbst in der Gesellschaft, sind für jeden individuell, doch jeder einzelne bedient sich der Mittel zum Ausdruck. Sie haben alle eines gemeinsam, sie sind Symbole, die wir senden, um Wirkung zu erzielen. Eine Art, der Sprache, die wir sprechen, um etwas zu sagen. Aber werden diese Zeichen von allen gleich verstanden? Gibt es eine allgemein gültige Zeichensprache? Was ist die Message? Und an wen? 

  • Das Schöne am postschulischen Zeitalter ist, dass man plötzlich die neue Freiheit besitzt sein Umfeld zu wählen, es zu verändern und neu zu erschaffen. Es ist notwendig, sich mit sich selbst zu befassen und festmachen, welches Umfeld Selbstzufriedenheit fördert. Anfangs ist es schwer, von angelernten Verhaltensweisen abzulassen, doch irgendwann merkt man, dass viele Wahrnehmungen und Bewertungen nicht die unsrigen sind. Es wird Zeit, sich auf die Dinge neu einzulassen, sie mit einem frischen Blick zu prüfen, neu bewerten und ihnen einen Stellenwert zuzuschreiben.

  • Um das Umdenken zu ermöglichen, muss man sich umcodieren und neue Gewohnheiten etablieren. Jahrelang wurden wir auf die Befriedung fremder Bedürfnisse konditioniert, dass wir verlernt haben, auf die eignen zu hören. Zu lange haben wir unsere Zufriedenheit von fremder abhängig gemacht, ob Familie, Umfeld oder Arbeitgeber. Wir wurden von unserer körperlichen Erfahrung wie seelischen Empfindung entfremdet und wissen eigentlich auch gar nicht, was wir tatsächlich fühlen und wie wir denken. Und schon gar nicht über uns selbst.

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  • Diese Empfindungen gilt es wieder zurückzuholen und sich mit ihnen wieder zu verbinden. Die Selbstwahrnehmung ist essenziell für unsere psychische und körperliche Gesundheit. Substanzlose Gedanken haben Einfluss auf unsere Biomaterie. Wenn Malware einen Computer zerstören kann, dann kann die falsche Einstellung auch einen Menschen umbringen. Die neue progamierung des Kopfs, muss man gut durchdenken und immer wieder ein Schutzprogramm durchlaufen lassen, um sein System zu schützen. Sich von schädlichen Gedanken und Handlungsmustern trennen und immer wieder neu bewerten, welche es sind.

  • Dabei helfen unterschiedlichste Techniken wie zum Beispiel Mental-Trainings, Affirmation, Journaling, Atemübungen, Workshops oder persönliche Beratungen. Du kannst aber auch im kleinen Starten, mal probieren, eine Kerze anzuzünden und Dankbarkeit an dich selbst aussprechen. Dir 10 Minuten Zeit zu gönnen, um im inneren Sprechen draufzukommen, wie wunderbar du wirklich bist, wie viel du leistest und was das für ein wertvoller Beitrag ist. Dich selbst mal für einen kurzen Augenblick ins Zentrum deiner Wahrnehmung zu rücken und so loben, wie du andere sonst lobst. Denn wer sich selbst liebt, empfängt auch Liebe! Und manchmal reicht es auch, wenn der eine, der die Liebe zurückgibt, man selbst ist. Im Wesentlichen ist das die wichtigste Liebe unter all den Lieben dieser Welt!


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